Oma

Ihr Lieben,

gerade vor zwei Stunden habe ich erfahren, dass meine Oma gestorben ist. Im März hatten wir noch zusammen ihren 95. Geburtstag gefeiert und wir sind mit der ganzen Familie von Dubai nach Bad Salzdetfurth gefahren, um mit ihr diesen Tag gebührend zu begehen. Das hatte ich ihr versprochen, bevor ich nach Dubai gezogen war.

Dieser vorletzte Tag im März war ein wunderschöner, mit viel Sonnenschein, gutem Essen, leckerem Kuchen, vielen Verwandten und guten Gesprächen. Oma war quicklebendig und bestand bei ihrer eigenen Geburtstagsansprache stolz darauf, dass sie es selber war, die sich letztes Jahr dazu entschlossen hatte, ins Pflegeheim einzuziehen – und dass ihre Kinder auch ganz froh darüber gewesen seien. Das kam nicht bei allen ihrer drei Kinder so gut an…  😉

Bis dahin hatte sie allein in dem Häuschen gelebt, dass sie mit ihrer Familie nach dem Krieg gebaut hatte, nachdem sie aus ihrer damaligen Heimat vertrieben worden war. Nach dem Tod meines Opas vor mehr als 25 Jahren lebte Oma noch einmal so richtig auf. Z.B. kaufte sie sich ein Klavier und fing wieder an zu spielen. Das fand ich toll und es machte ihr so viel Spaß.

Oma hatte schon immer ihren eigenen Kopf und ihre, oft auch festgefahrene, Meinung und es war für ihre Mitmenschen nicht immer leicht, mit ihr auszukommen. Ihren Weg ging sie mit Bravour – bis zum Schluss. Sie war ein echtes Stehaufmännchen.

Letzte Woche hatte sie dann einen Schlaganfall, war einen Tag im Krankenhaus und kam direkt zurück ins Heim. Wie gut, dass sie eine Patientenverfügung hatte, die alle lebensverlängernden Maßnahmen ausschloss. Heute Nacht ist sie dann ganz sanft eingeschlafen und ich freue mich, dass sie nicht noch so ewig an ihren kränkelnden Körper gefesselt war.

Liebe Oma, ich danke Dir für Deinen langen Weg auf dieser Erde und dass ich ihn eine Zeitlang mit Dir teilen durfte. Hab jetzt ganz viel Spaß beim Umherfliegen! Du warst ja schon immer gern auf Achse.  🙂

Alles Liebe von Deiner

Sabine

infinity

P.S.: Danke, Oma, dass Du mich wieder an die Tastatur gebracht hast. Ich wusste gar nicht, dass Du das kannst 😉

4 Kommentare

  1. Liebe Sabine,
    lange hatte ich nichts mehr von Dir gelesen, und nun diese Nachricht! So lange hat Deine Oma durchgehalten, bei all diesen anstrengenden Energien! Und so lange hast Du sie in Deinem Leben auch physisch „zum Anfassen“ haben dürfen!

    Unsere Großmütter sind es, die uns oft mehr prägen als unsere Mütter! Auch wenn Du Dich für Deine Oma freust, dass sie es geschafft hat, und sanft und leicht aus diesem Leben gehen durfte, so ist da doch die Trauer und die Wehmut spürbar um das, was gewesen ist und nun nicht mehr sein wird. Es ist wieder ein Stück Kindheit, das geht. Aber die Liebe bleibt…

    Alles Liebe auch für Dich in dieser Zeit,
    Christine

    1. Author

      Liebe Christine,
      danke Dir für Deine lieben Worte. Oma war die letzte meiner Großeletern und ja, es ist wieder ein Stückchen Kindheit, das nun unwiderruflich gegangen ist, doch es ist auch OK so. Sie hat so viel gesehen und erlebt, dass ich es ihr von Herzen gönne, nun wieder auf die (vielleicht) leichtere Seite zu wechseln. Die meisten Frauen meiner mütterlichen Linie sind sehr alt geworden, meine Großtanten waren sogar über 100 Jahre alt. Da habe ich noch ein ganzes Stückchen vor mir 😉
      Ganz liebe Grüße auch an Dich
      Sabine

  2. Schön, deine kleine „Ode“ an deine Oma… mich hat es berührt….
    Danke für deine Berührung und das wir teilhaben dürfen …..

    1. Author

      Liebe Nicola,
      danke Dir für Deine Worte.
      Liebe Grüße
      Sabine

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